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100 Jahre
Knappen- und Arbeiterverein St. Barbara- Bruderschaft Friedrichsthal
Die Geschichte der Knappenvereine unserer Heimat erwächst auf dem Hintergrund der Saarkohle. Das Gründungsjahr des Knappenvereins Friedrichsthal, der nun sein 100-jähriges Bestehen feiert, fällt noch in die Zeit einer blühenden Friedrichsthaler Glasindustrie. Als die Glashüttenbesitzer, nach der Übernahme unserer Heimat durch Preußen, ihre letzten Kohlenrechte abtreten mußten, begann hier eine neue Entwicklung im Kohle- Abbau, um den sich der Nassau- Saarbrücker Wilhelm- Heinrich vorher verdient gemacht hatte. Er hatte aus dem Harz Fachleute des Erzbergbaues an die Saar geholt, die über Stollengänge neue Abbaumethoden einführten. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde der Kohlebergbau vordergründiger als bisher, und so brauchen wir uns nicht wundern, daß die Anfänge der Knappentradition über 100 Jahre alt sind. Hierbei soll erwähnt werden, daß bereits im Jahre 1855 der kath. Pfarrer Johann Anton Joseph Hansen mit Bergleuten seiner Pfarrei die erste St. Barbara- Bruderschaft in Ottweiler gegründet hat.
Der Vorgänger- Verein des Friedrichsthaler Knappenvereins ist ein "Patriotischer Volksverein", der 1860 gegründet wurde. Er tagte in dem Kolonier Lokale Schmitt (heute Berghof) und hatte Mitglieder aus beiden Konfessionen. Beim Ausbruch des 70er Krieges wurde er aufgelöst und danach, jedoch infolge von Mißstimmigkeiten ohne Mitwirkung der Bergleute wiedergegründet. Diese machten sich selbständig und gründeten 1878 einen Verein unter dem Namen "Bergmanns- Verein". Während der Kulturkampfzeit sonderten sich die kath. Bergleute ab und gründeten den "Kath. Bergmanns- Sterbekassen- Verein". Da dieser Verein statutengemäß unter staatlicher Aufsicht stand, blieb ihm, um den verletzenden Maßnahmen wie Überwachung und Revisionen zu entgehen, nichts anderes übrig, als sich aufzulösen, um sofort einen neuen Verein zu gründen.
Dies geschah im Jahre 1904 unter dem Namen "Kath. Knappenverein St. Barbara". Der Verein nahm eine stetige Aufwärtsentwicklung. Trotz vieler Verluste durch den 1. Weltkrieg zählte er in den 20er Jahren wiederum 150 Mitglieder. Die alte Tradition bergmännischer Solidarität, Hilfsbereitschaft, echter Religiosität, Kameradschaft und Geselligkeit lebt fort. Die tiefe Verbundenheit der Bergleute mit ihrer Schutzpatronin Sankt Barbara fand 1922 bei der Weihe der neuen Glocken – die alten fielen dem 1. Weltkrieg zum Opfer – für die damalige Kirche St. Michael ihren Ausdruck.
Eine Glocke erhielt den Namen "Barbara – Glocke" und trug die Inschrift "Barbara- Glocke bin ich genannt und ruf weithin übers Land: Gute Fahrt in letzter Stund, Bergleut zu Hauf, Glück auf".
Wie für viele andere Vereine, so schlug auch hier eines Tages als Folge der Zeitereignisse eine Art Sterbestunde. Das "3. Reich" machte 1938 auch dem Knappenverein ein Ende. Nach dem Krieg gab es zunächst andere Sorgen. Obwohl das Vereinsleben noch nicht belebt war, wurde insbesondere bei kirchlichen Anlässen und Totengedenkfeiern eine Fahnenabordnung gestellt. In der Mitte der 50er Jahre sammelten sich die "alten und jungen Kameraden" und im Jahre 1960 war das Vereinsleben wieder aktiv. 200 Mitglieder bewiesen damals, daß der Sinn für Knappentradition nicht umzubringen war.
In den folgenden Jahren wurde unter dem damaligen Vorsitzenden Joseph Ott gute Arbeit geleistet. Ein Höhepunkt war u.a. das 85- jährige Stiftungsfest im Jahre 1963. Hinsichtlich Organisation, Teilnahme (30 Vereine, 6 Musikkapellen) und Ablauf wird man sich immer wieder gerne an diese Festtage erinnern. Nicht nur in der Öffentlichkeit, auch vereinsintern gab es Arbeit z.B. mußte eine längst fällige Satzungsänderung bzw. Neufassung der Satzung erarbeitet werden. Diese wurde im Jahre 1967 verabschiedet. Hierbei erhielt der Verein - u.a. wegen Zugängen aus anderen Berufszweigen - den Namen "Knappen- und Arbeiterverein St. Barbara Bruderschaft Friedrichsthal".
Wie lebendig und aktiv das Vereinsleben ist, das beweisen die Teilnahmen an den jährlichen Bruderschaftstreffen und Stiftungsfesten bei vielen Knappenvereinen, an den Barbarafeiern, die Beteiligung bei kirchlichen und öffentlichen Anlässen wie auch bei der "Letzten Fahrt" seiner Mitglieder. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß mit der Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit auch die frühere Tradition des Kirchgangs am Kirmesmontag wieder auflebte und das Frühschoppenkonzert im Vereinshaus nicht mehr wegzudenken ist. Dies beweist die große Anteilnahme der Bevölkerung.
Mit einer neuen Vereinsfahne will der Verein das 2. Jahrhundert angehen. Die alte Fahne (von 1904 – 1978) mußte aus Altersgründen "in den Ruhestand versetzt werden". Beeindruckend war die kirchl. als auch die öffentl. Feier bei der Weihe der neuen Fahne. Einige Bilder in der Festschrift erinnern daran. Anläßlich der Feiern "250 Jahre Friedrichsthal", "100 Jahre Grube Maybach" und 80 Jahre "DRK Friedrichsthal" konnte der Knappenverein im Jahre 1973 sein 95- jähriges Stiftungsfest feierlich begehen.
100 Jahre Vereinsgeschichte kann ein Spiegel der Zeitverhältnisse sein sowohl hinsichtlich der politischen, sozialen als auch wirtschaftlichen Verhältnisse. Ein Einblick in das Protokollbuch und ein Rückblick in die vergangenen 100 Jahre dürfte dabei ein kleiner Hinweis sein. Obwohl in unserer Landschaft der Kohle zwar nicht der Reichtum einer großartigen geschichtlichen Vergangenheit lebt, so ruht in ihr doch ein Reichtum an menschlicher Qualität. Und ein kleines Stück davon, das darf in aller Bescheidenheit gesagt werden, ist die Geschichte des Knappenvereins Friedrichsthal. Seine Mitglieder haben Grund darauf ein wenig stolz zu sein und mit ihnen alle Bürger unserer Stadt.
Verfasser dieser Niederschrift Jakob Dorscheid
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