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Entwicklung und Geschichte des Bergbaues im Friedrichsthaler Raum

 

Im Jahre 1978 wird auch der Knappen- und Arbeiterverein ,,St. Barbara-Bruderschaft" Friedrichsthal in den Kreis der ,,Hundertjährigen" Gruben Reden und Maybach aufgenommen; denn die Grube Reden konnte 1977 auf ein hundertdreißig- und die Schachtanlage 1973 auf ein einhundertjähriges Bestehen zurückblicken.

 

Das Schicksal dieser Gruben, ihr Wohlergehen und ihre Schwierigkeiten, hatten in der Vergangenheit und auch heute noch starken Einfluß auf die Entwicklung, das Bestehen bzw. waren die auslösenden Faktoren und die Ursachen zur Gründung dieses Vereines; denn viele der ehemaligen und heutigen Mitglieder fanden und finden auch heute noch dort Arbeit und Brot.

 

Gleichwohl sollten wir uns an diesem Jubiläumstage daran zurückerinnern, daß damals das Netz der sozialen Absicherung noch nicht so eng wie heute geknüpft war, denn die Zielsetzung der damaligen Gründer war in erster Linie darauf abgestellt, den infolge Krankheit und Sterbefällen in wirtschaftliche Not geratene Kameraden und ihren Angehörigen auf dem Wege der Gegenseitigkeit zu helfen. So bestand unter anderem eine Sterbekasse bis zum Jahre 1936. Heute dagegen liegt das Schwergewicht der Tätigkeit dieses Vereines in der Pflege und Förderung der Tradition und Kameradschaft.

 

Tradition und Kameradschaftspflege sind auch gleichzeitig ein Bindeglied zum heutigen Bergbau und zur Großschachtanlage Reden.

 

Diese enge Verbundenheit der Menschen im Bergbau zu ihrer Arbeitsstätte, ,,us Grub" ist auch Anlaß genug, eine kurze Rückschau auf die geschichtliche Entwicklung dieser Anlage zu halten.

 

Die Großschachtanlage Reden, 1964 durch die Zusammenfassung der Grube Reden und Maybach geschaffen, umfaßt heute die Felder der ehemaligen Gruben: Mellin, St. Ingbert, Altenwald, Maybach, Reden, Itzenplitz, Heinitz, König-Dechen, Kohlwald und St. Barbara.

 

Wenn auch im Bereich des Knappenvereins die Grube Maybach den Schwerpunkt der bergmännischen Tätigkeit bildete, sollte die Vergangenheit der einzigen im Ostraum noch betriebenen Grube Reden nicht ohne Interesse für die ,,Knappen" dieses Vereines sein. Es ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, daß der heute stillgelegte Westschacht 1910 auf Friedrichsthaler Bann angehauen wurde.

 

Die Anfänge der Grube Reden, die sich aus den ehemaligen Gruben Illingen und Merchweiler entwickelte, gehen zurück auf die Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Glashütten auf Anweisung der damaligen Herrscher von Holzkohlen. auf Steinkohlefeuerung umgestellt wurden.

 

Wenn man will, kann diese Anweisung als die erste Umweltschutzgesetzgebung angesehen werden, obwohl zu vermuten ist, daß die Fürsten aus Eigennutz nur ihren Wald zur Jagdausübung schützen wollten. Gleichwohl war dieser Schritt der Fürsten mit der Startschuß zur heutigen Großindustrie ,,Kohle und Stahl", die bis in neuester Zeit das Rückgrat der saarländischen Wirtschaft bilden.

 

Als eigentlichen Beginn der Grube Reden wird der 1. Juni 1846 angenommen, der Tag an dem der Redenstollen am Marktplatz Landsweiler angehauen wurde. Die neueröffnete Grube war zunächst Betriebsabteilung der Grube König und erhielt erst am 8. April 1850 den Namen des preußischen Staatsministers Graf von Reden.

 

Nach den noch vorhandenen Unterlagen betrug die Belegschaft damals 70 Mann und es wurden in diesem Jahr 16.571 to Kohle gefördert. Dieses entspricht einem täglichen Durchschnitt von etwa 55 to. Begünstigt durch den Bau der Großtektonik verfügt die Grube Reden als einzige Grube an der Saar über Fett- und Flammkohlenvorräte. Deshalb ging die Entwicklung der Förderung steil nach oben, als man ab 1903 in Anpassung an den erhöhten Kokskohlenbedarf für die Stahlindustrie mit dem Abbau des ersten Fettkohlenflözes ,,Thiele" am Bildstockschacht begann.

 

So wurde die jährliche Förderung 1910 auf 1.476.648 to gesteigert, was einen täglichen Durchschnitt von ca. 5.000 to entspricht. Damals waren auf der Grube Reden 6.848 Bergleute beschäftigt.

 

Heute fördert die Großschachtanlage Reden ca. 7.000 to arbeitstäglich mit einer Gesamtbelegschaft von 3.250 Mann.

 

Die aufgezeigte stürmische Entwicklung vor dem ersten Weltkrieg - 1850 Belegschaft = 70; und 1910 = 6.848 Arbeiter - brachte große soziale Probleme mit sich; denn der große Arbeitskräftebedarf löste eine Zuwanderungswelle, vor allem aus dem Pfälzer- und Hunsrücker Raum, in unser damals noch dünnbesiedeltes Saarland aus.

 

Wegen der langen Anmarschwege ,,Hartfüßer" wurden die Bergleute während der Arbeitswoche zunächst in ,,Schlafhäusern" untergebracht.

 

Die damit verbundenen menschlichen Probleme veranlaßte schon 1841 den preußischen Bergdirektor Sello die Bergleute durch Gewährung von zum Teil zinslosen Darlehen und Prämien zum Bau eigener Häuser zu motivieren und in der Nähe der Gruben seßhaft zu machen.

 

Gleichzeitig wurden von der preußischen Grubenverwaltung große Bergmannssiedlungen im Friedrichsthaler Bereich an der Illinger Straße und Maybach errichtet. Noch heute wird ein Stadtteil von Friedrichsthal nach dieser Ansiedlungsperiode ,,Kolonie" genannt. Wenn nun der geneigte Friedrichsthaler Leser meint, daß die ,,Hausgrube" Maybach in dieser Betrachtung zu kurz gekommen sei, so weist der Verfasser daraufhin, daß er hierüber bereits anläßlich der 95-Jahrsfeier des Vereins berichtet hat.

 

Doch sollten die wesentlichsten Daten des Bergbaues im Friedrichsthaler Raum anläßlich des 100-jährigen Bestehens des Vereins kurz gefaßt in die Erinnerung zurückgerufen werden.

 

Auch im Friedrichsthaler Raum wurde der Abbau der Kohle um 1740 durch die Umstellung der Glashütten von Holz- auf Steinkohle eingeleitet.

 

Die an den Hängen zwischen der Saarbrücker- und Spieser Straße ausgehenden mächtigen Flammkohlenflöze waren Beginn bergmännischer Tätigkeit. Zusammen mit dem Sand auf dem Hoferkopf bildete dieser Rohstoff die Voraussetzung für die Entwicklung der Gemeinde Friedrichsthal zu einer größeren lndustrieansiedlung. Ein geordneter und kartierter Abbau begann hier erst mit der Übernahme der Glashüttengruben durch den preußischen Staat um 1820 im Stollenbetrieb. Die wichtigsten Stollen waren: der Friedrichstollen (Saarbrücker Straße) und Pluto- und Michelstollen (Bergstraße). Dieser Betrieb erhielt schon damals den Namen ,,Königliche Steinkohlenzeche Friedrichsthal".

 

Die in diesem Bereich um 1860 zur Neige gehenden Vorräte lösten den Übergang zum Tiefbau, Abteufen des Schachtes Helene I im Jahre 1857, aus. Fast gleichzeitig wurde 1856 der Grühlingstollen als Fahr- und Wetterstrecke angehauen. Weitere Schächte dieser Grube waren die Erkershöh-Schächte und der Franzschacht. Wenn auch die Grube Friedrichsthal im Jahre 1932 und damit die Flammkohlenförderung eingestellt wurde, bedeutete dies jedoch nicht die Beendigung der Kohlengewinnung im Friedrichsthaler Raum; denn 1873 war als Folge des erhöhten Kokskohlenbedarfs der Marie-Schacht im Trenkelbach angehauen worden. Diese Grube, die zunächst den Namen ,,Trenkelbach" trug, wurde 1882 nach dem Namen des damaligen Preußischen Ministers Maybach, anläßlich eines Besuches, benannt.

 

Sie entwickelte sich zu einem Hauptstandort der Fettkohlenförderung der Saarbergwerke.

 

Im Vergleich zu Reden einige Förderzahlen aus der Zeit vor dem ersten und nach dem zweiten Weltkrieg:

 

Förderung

Belegschaft

Förderung

Belegschaft

1895

182.000 to

857

404.000 to

1.904

1913

498.000 to

2.234

730.000 to

3.065

1951

-

-

1.252.000 to

4.946

Heute werden im Baufeld Maybach noch 2.600 to Kohle arbeitstäglich mit einer Belegschaft von ca. 900 Mann gefördert.

 

In der Blütezeit des Bergbaus gab es im Bereich der Stadt Friedrichsthal 25 offene Schächte, von denen wegen ihrer Bedeutung als Förder- und Großseilfahrtsanlagen die Maybachschächte, die Helenenschächte, der Kolonieschacht (angehauen 1893 und benannt nach der dortigen Kolonie - stillgelegt 1973) und der Ostschacht (angehauen 1890 - stillgelegt 1967; Sitz der Hauptrettungsstelle der Saarbergwerke AG), besonders hervorzuheben sind.

 

Aus der Überwindung der Schwierigkeiten des Bergbaus in der Vergangenheit sollten wir die Kraft für den Glauben an eine gute Zukunft des Bergbaues an der Saar schöpfen, denn auch vor 100 Jahren um 1860, 1868 - 1871 und 1878 - 1883 gab es Kurzarbeit und sogar Entlassungen wegen schlechter Absatzlage der Stahl- und Kohlenindustrie.

 

Dies gilt insbesondere auch für den heute sein einhundertjähriges Bestehen feiernden Knappenverein, dessen Schicksal untrennbar mit dem des Bergbaues verbunden ist und bleibt.

 

Friedrichsthal im Mai 1978

 

W. LOOS

Dipl.-Ing. Markscheider

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