Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.


Erfahrungsbericht 
von Sandra Ripkens

Dies ist bereits der zweite Erfahrungsbericht, den ich schreibe. In meinem ersten Bericht, den ich an Frau Braun geschickt habe, erzählte ich voller Stolz, wie gut ich gelernt habe, mit meiner Neurodermitis zu leben.
Nachdem Frau Braun meinen Bericht erhalten hatte, rief sie mich an und fragte, warum ich denn mit der Neuro leben wolle, ich könnte doch auch gesund werden. Dies waren große Worte für mich. Ich bin zwar bereits 1992 für zwei Wochen und 1993 für eine Woche stationär in Gelsenkirchen gewesen, aber dass ich dort gesund werden könnte, habe ich mit damals 14 bzw. 15 Jahren nicht verstanden. Für mich war es damals vor allem wichtig, etwas über die Neurodermitis zu erfahren und zu sehen, dass ich nicht allein damit bin, sondern dass es noch mehr Kinder und Jugendliche gab, die mein Schicksal teilten.
Heute, fast 14 Jahre später, sage ich stolz:

Ich bin gesund!!!

Auf dem Weg dorthin bin ich viele Umwege gegangen, die sich aber alle im Nachhinein als sehr wertvoll erwiesen haben.
Nach dem Anruf von Frau Braun im April 2002 fing ich an zu überlegen, ob mein Ziel tatsächlich war, mit der Neuro leben zu wollen. Mein Entschluss, dass ich gesund werden wollte, stand sehr schnell fest. Nun war ich ja kein Kind mehr, sondern bereits 24 Jahre alt. Ich fragte Frau Braun etwas verunsichert, ob Prof. Stemmann mich denn überhaupt noch aufnehmen würde, denn ich sei ja schon erwachsen. Sie antwortete in ihrer wunderbar ermutigenden und aufbauenden Art: "Natürlich können Sie zu uns kommen, wir helfen allen, die gesund werden wollen"! Sechs Wochen nach diesem Telefonat fand ich mich - neun Jahre nach meinem letzten Aufenthalt - in Gelsenkirchen wieder.
Ich wusste nicht mehr so ganzgenau, was mich dort erwartet. Für mich stand nur ganz fest, dies ist eine großartige Chance, endlich gesund zu werden. Die zwei Wochenwaren einerseits sehr anstrengend, aber sie waren vor allen Dingen eine Zeit, in der ich mir selbst die Chance gab, Gefühle aufzuarbeiten und zu leben, Verhaltenswiesen zu verstehen, Entschlüsse zu fassen und Aufgaben mit nach Hause zu nehmen. Ich lernte, dass ich für mich selbst verantwortlich bin und dass ich das Recht habe meine Autonomie zu leben. Ich erfuhr, dass es wichtig ist, sich Zeit zu nehmen für sich und seine Bedürfnisse. Ich entdeckte wieder einmal, wie wertvoll das tägliche autogenen Training ist. Ich gewann die Erkenntnis, dass egal wie sehr meine Eltern, mein Freund, meine Freunde und Ärzte auch versuchten, mir zu helfen, allein mein Wille und mein Handeln konnten der Schlüssel zum Erfolg sein.
Im Laufe der zwei Wochen konnte ich das Gehörte auf mein Leben übertragen und wusste, wo ich zu Hause bzw. im Alltag ansetzen muss, damit ich gesund werde. Diese zwei Wochen in Gelsenkirchen waren ein so wichtiger Baustein, nicht nur zum Gesundwerden, sondern auch für mein Leben. Die Gespräche mit Herrn Starzmann, Prof. Stemmmann und Frau Braun haben mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet oder aber mir auch einfach Mut gemacht, die Dinge die ich tief in meinem Herzen wusste, aber nicht wahrhaben wollte, auszusprechen und sie damit zu verarbeiten.
In Gelsenkirchen habe ich mich dann dazu entschlossen, den Ortsverband Köln wieder zu beleben, denn Erfahrungsaustausch und Gespräche machen es leichter, das Konzept auch zu Hause weiterzuleben.
Voller Energie und Tatendrang fuhr ich nach Hause, mit der Gewissheit, dass ich gesund werden würde. Ich stellte mir dann in der folgenden Zeit nicht nur einmal die Frage, wie ich all die gelernten Dingen in meinen Alltag einbringen sollte. Mit viel Energie und vor allem mit dem festen Willen und der Überzeugung, dass dieses Konzept der richtige Weg ist, gelang es mir dann jeden Tag ein Stückchen mehr, Autonomie zu erlangen, mich unabhängiger von der Meinung anderer zu machen, Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.
Je mehr ich diese Dinge in meinen Alltag einbrachte und je länger ich das autogene Training morgens bevor der Tag begann machte (und noch immer mache), umso mehr konnte ich schon fast zusehen, wie es meiner Haut besser ging.
Viele Gespräche mit Frau Braun in dieser Zeit, die immer wieder sagte: "Frau Ripkens, Sie müssen Geduld mit sich haben. Sie schaffen es auf jeden Fall", haben dazu beigetragen, dass ich den Glauben an meine Kraft und die Geduld nie verloren habe.
Als ich im August 2003 zur Tagung nach Gelsenkirchen fuhr und Frau Braun und Prof. Stemmann mir dort bestätigten, dass ich es geschafft habe, war ich so unglaublich glücklich und auch stolz auf mich.
Dies ist nur ein kurzer Auszug aus meiner "Neurodermitis Geschichte", die bereits 1992 begann. Manchmal habe ich das Gefühl, die Erfahrungen der 14 Jahre könnten auch Stoff für ein Buch ergeben.
Es gibt etwas, dass ich gerne allen, die noch auf dem Weg des Gesundwerdens sind, sagen möchte: So schlimm die Neurodermitis auch gewesen ist und so oft ich es verflucht habe, dass gerade ich damit zu kämpfen habe, umso dankbarer bin ich heute. Ich habe soviel gelernt und viel Positives erlebt durch die Krankheit, dass ich im Nachhinein aus Überzeugung sagen kann, die Neuro war trotz mancher bitterer Erfahrungen auch für vieles gut und hilfreich. Gelsenkirchen ist für mich nicht nur einfach ein Krankenhaus und das Konzept ist nicht nur ein Behandlungsverfahren für Neurodermitis. Für mich ist das Behandlungsverfahren ein: "Wie führe ich ein gesünderes, zufriedeneres und qualitativ hochwertigeres Lebenskonzept".
Zum Abschluss möchte ich mich von Herzen beim Team in Gelsenkirchen, aber ganz besonders bei Frau Braun und Prof. Stemmann bedanken. Die Gespräche beim Professor haben mir immer wieder die Augen geöffnet und neue Wege aufgezeigt und der regelmäß0ige Kontakt zu Frau Braun hat mich nie den Mut verlieren lassen. Sie haben mich immer wieder in meiner Person und in meinem Handeln bestätigt. Vielen lieben Dank dafür! Es ist großartig zu wissen, dass man jederzeit mit offenen Armen empfangen und akzeptiert wird.
Eigentlich dachte ich mit dem Kapitel der Heilung der Neurodermitis wäre auch das Gesundwerden von chronischen Erkrankungen für mich abgeschlossen. Dem sollte nicht so sein. Im Dezember 2003 bekam ich die Diagnose Morbus Crohn (chronisch entzündliche Darmerkrankung). Als ich mich gefragt habe was nun, waren Frau Braun und Prof. Stemmann mit ihren wertvollen Tipps und Erfahrungen gleich wieder zur Stelle. Und da ich ja nun selbst die Erfahrung gemacht habe, dass chronische Krankheiten heilbar sind, gebe ich mich auch hier nicht damit zufrieden, damit leben zu können. Ich will ohne Morbus Crohn leben und gesund werden. Damit wartet eine neue Herausforderung auf mich und ich denke, den dritten Erfahrungsbericht werde ich dann schreiben, wenn ich die Herausforderung erfolgreich gemeistert habe.

 

 

 


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Copyright © 1997 Klaus Zölzer