Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.


Asthma, ein langer Weg mit lohnendem Ziel
Erfahrungsbericht von Inga Piranian

Meinen 40. Geburtstag (1986) erlebte ich in einer Asthma Klinik. Um Mitternacht überraschte mich die Nachtschwester mit 40 Teelichtern auf einem Tablett. Für mich war sie ein Lichtblick in einer sonst eher trostlosen Situation. Sie spürte meine Angst, Verunsicherung und Hilflosigkeit und erbarmte sich, mich über Verlauf und Ergebnis der Allergietests zu informieren. Die Ärzte hatten wenig Zeit für ein Gespräch. Ich kämpfte mit dem äußerst unbehaglichen Gefühl, dass die Testreihen wichtiger waren als die Patientin.

Nun aber ein wenig Information zur Vorgeschichte. 1976 – ungefähr 10 Jahre vor diesem Geburtstag – hatte ich eine alte Bauernkate restauriert und genoss das Landleben bis nächtliche Hustenanfälle die Freude trübten. Es folgten mehrere Bronchialinfekte, irgendwann mit Spastik und letztendlich dann die Diagnose: Asthma. Ein ortskundiger Arzt drängte zu einem Wohnungswechsel (Belastung durch Feuchtigkeit mit Schimmelpilzen) und zu einem katzenfreien Haushalt. Den ersten Rat habe ich schweren Herzens befolgt, beim zweiten war meine Liebe zu den Tieren größer, sie durften bleiben. In neuer Umgebung lebte ich mehrere Jahre ohne Beschwerden. Mein Interesse war jedoch geweckt. Was macht krank, was fördert Gesundheit? Ich begann zu lesen und mich zu informieren. Mit Hilfe eines kleinen Gemüse- und Kräutergartens wurde die Ernährung auf möglichst vollwertig und vegetarisch umgestellt. Beruflich und privat gab es allerdings ‚Dauerbelastungen. Nur mit enormem Kaffeekonsum konnte ich die täglichen Anforderungen bewältigen. Ausgewogenheit zwischen Anspannung und Entspannung schien kaum möglich. 1984-86 wurde es dann leider wieder sehr eng, trotz Vollwertkost und Naturheilkunde. Als bekannte Asthma-Medikamente nicht verhindern konnten, dass ich nachts wiederholt einen status asthmaticus erreichte, fühlte sich meine Ärztin überfordert und übergab die Verantwortung der Klinik (siehe Anfang). Eine von dort verordnete Desensibilisierung gegen Schimmelpilze mussten wir sehr bald abbrechen, weil mein Gesundheitszustand kritischer wurde. "Ihr Problem ist das Klima am Niederrhein, das Theater mit Klimaanlage, Kulissenstaub und Bühnennebel. Mit der Krankheit werden sie leben müssen. Sie werden zunehmend empfindlicher reagieren, und die Abstände zwischen den Anfällen werden immer kürzer werden. Sie sollten sich auf Frühinvalidität einstellen."

Welch Glück, wenn man genug Reserven hat, solchen Sätzen zu trotzen und sie auch wieder zu vergessen! Ich begann nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten zu suchen. Ich wollte die Krankheit besser verstehen, wollte ergründen, welchen Sinn sie für mich hat und suchte nach besseren Möglichkeiten, damit umzugehen. Die Medikamente konnten vielleicht mein Überleben sichern, aber um gesund zu werden braucht es mehr. Auf der Suche hörte ich 1989 einen Vortrag von Prof. Stemmann zum Thema: Allergien sind heilbar! Ich war beigeistert und bewegt. Da war jemand, der mit außerordentlicher Kompetenz nicht nur ein umfassendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit vermittelte, sondern gleichzeitig auch die unerschütterliche Zuversicht, dass es einen Weg gibt, der von ohnmächtiger Betroffenheit zum aktiven Handeln mit Zielrichtung Gesundheit führt. Ich wollte unbedingt mehr darüber erfahren und bat um einen Gesprächstermin in der Kinderklinik. Zu der Zeit war ich medizinisch ganz gut informiert, das Autogene Training war mir vertraut und auch Allergenverdächtige Nahrungsmittel (für mich Weizen, Eier und Milchprodukte) waren längst aus dem Speiseplan verbannt. Beruflich konnte ich Theatervorstellungen mit starker Rauch- und Nebelentwicklung für eine gewisse Zeit meiden. Es gab keine kritischen Asthmaanfälle mehr, aber gesund fühlte ich mich nicht, eher gut eingestellt. Bei meinem ersten Besuch in der Kinderklinik brachte ich vor lauter Tränen kaum ein vernünftiges Wort heraus. Herr Starzmann half. Mit seiner Geduld und Ermutigung fand ich meine Sprache wieder. Über einen langen Zeitraum hatte ich Gelegenheit, mit ihm Belastendes aus Vergangenheit und Gegenwart aufzuspüren und zu begreifen. Sehr viel war gegen meinen Willen geschehen. Es gab erschütternde Ereignisse, die auf Dauer meine Anpassungsfähigkeiten überforderten. Verständlich, dass bei dieser Vorbelastung erneute Gefühlsverletzungen schnell übermäßigen Stress auslösen und zu einer Fehlsteuerung führen können. Ein schwieriger Fall! Als Musikerin habe ich nicht nur Noten geübt, sondern auch Geduld, Ausdauer, Zielstrebigkeit und Vertrauen aufs Gelingen. Bei meiner hochsensiblen Stute, für die dich 15 Jahre lang die Verantwortung übernahm, waren es dieselben Werte, die mich zu einer ruhigen, besonnenen und erfolgreichen Reiterin werden ließen. In eigener Angelegenheit dauerte es etwas länger! (Mein Bericht umfasst ca. 25 Jahre)

Ganz behutsam begann eine "Modulation der Einstellungswerte." Statt überhöhtem Leistungsanspruch mit enormer Leistungsbereitschaft, meist über die eigene Erschöpfung hinaus, begann ich allmählich, auch ein "ausreichend Gut" zuzulassen. Immer bereit, Verantwortung zu tragen, gelang es mir, auch mal passiv zu bleiben und anderen Stress zu machen. Nicht einfach, aber gesünder! In unermüdlichem Bemühen um Harmonie lernte ich, dass es bisweilen sehr sinnvoll sein kann, Streit und Spannung auszuhalten, ohne mich gleich zutiefst bedroht zu fühlen. Ich erlaube mir, auch mal launisch und aggressiv zu reagieren. So übe ich geduldig weiter. Ein gelegentliches "Scheitern" bekommt dann einen anderen Wert. Heute fühle ich mich gesund und leistungsstark, bin unabhängig von Medikamenten, trotz Niederrheinklima, Theaterstaub und Bühnennebel. Infekt nehmen einen milden Verlauf ohne Beteiligung der Bronchien. Brachten sie mich früher in lebensbedrohliche Situationen, so habe ich gelernt, sie heute als wertvolles Immuntraining zu betrachten. Immer wieder gerne komme ich zu Vorträgen und Tagesseminaren von Prof. Stemmann für eine "Impfauffrischung" mit positivsten Nebenwirkungen. Im 14. Lebensjahr, einer für mich sehr kritischen Zeit, war es der leitende Arzt einer Kinderklinik, der für meine Weiterentwicklung äußerst wichtige Weichen stellte. 30 Jahre später wiederholte sich diese Erfahrung in Gelsenkirchen auf einer anderen Oktave. Allen Helfern im Gelsenkirchener Team danke ich herzlich für ihren Einsatz, ihre Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Anregung und Wertschätzung. Besonders aber möchte ich Herrn Starzmann danken für seine wunderbare Begleitung.

Inga Piranian

 


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