Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.


Erfahrungsbericht einer Kinderbehandlung nach dem Gelsenkirchener Behandlungsverfahren

von Tanja Grandy

Silas ist jetzt 21/2 Jahre alt und „leidet" fast sein ganzes kurzes Leben lang an Neurodermitis. Ich, die soziale, naturverbundene, überzeugt stillende Mutter (seit sieben Jahren Vegetarierin, Stamm-Kundin im Naturkostladen) empfand diese Tatsache erst als eine Art „Fluch" und verstand die Welt nicht mehr.
Als die Krankheit schließlich den kompletten kleinen Körper mitsamt Geist (und den der Familie) einforderte, erfuhren wir „zufällig" von (Bad) Gelsenkirchen und verbrachten vor einem Jahr (4/99) drei Wochen auf der „K 5".
Es war hart, Silas erlebte den stärksten Schub seiner Laufbahn, und es konnte einfach nur noch besser werden... Wir schöpften Kraft, Hoffnung und Vertrauen durch das Therapie‑Konzept und gehen seither gemeinsam den Heilungsweg, der uns Geduld und Disziplin lehrt.
 

Drei Monate nach unserem Aufenthalt lösten wir - wie geplant - in Bayern Haus und Hof auf, zogen mit unseren drei Kindern (6 - 4 - 1) in ein großes Wohnmobil (bis unters Dach voll Öko-Nahrung) und gingen auf Europa-Reise... für „Klein-Silas", laut Herrn Langer„... ein Überlebens-Training im positiven Sinne...". Tatsächlich förderte das Unternehmen seine Selbständigkeit. Silas schlief in der Nacht tief und fest, hatte einen guten Appetit und war zu seinem z. Geburtstag „sauber", fing endlich an zu reden, die Haare wuchsen und aus dem hilflosen, anhänglichen Baby wurde einkleiner, selbstbewußter Junge. Über die Sommermonate am Atlantik war die Haut „blank". Die Kratzanfälle beschränkten sich auf wenige Situationen ohne entzündliche Reaktionen.

Erst zum Winter hin, im neuen Zuhause auf Quinta Ciparros (Portugal) angekommen, flammte das Ekzem wieder auf, und ein heftiger Schub folgte zusammen mit der Erkenntnis: Die Mechanismen sind nicht überwunden, was machen wir nur falsch? Wir bemühten uns um Souveränität, was nicht immer gelang... Silas' Widerstand wirkte sich auf das Essen aus. Er ging auf alles los, was er nicht sollte, nutzte jede Gelegenheit, die Diät zu brechen, suchte und klaute Süßigkeiten. Nicht selten fanden wir ihn mit Schokolade, Keks oder Kaugummi in einem Versteck sitzend, wußten nicht woher und von wem ... schließlich hatten die größeren Brüder ihre eigenen Bezugsquellen und legten sich geheime, jedoch unsichere Lager an. Die Kontrolle artete in Streß aus auf allen Seiten, dazu kam eine Herpes‑Infektion. Es gab nur noch eine Zuflucht: (Bad) Gelsenkirchen.
Im Februar 2000 faxte ich und bat um vier Tage Aufenthalt, was uns sofort bestätigt wurde und mit einem Besuch zu Ostern verbunden werden konnte.

Zugegeben, ich fuhr am vergangenen Sonntag mit einem mulmigen Gefühl los, obwohl das Ekzem die letzten Wochen wieder deutlich zurückgegangen war und Silas sehr fit wirkte. Ich fühlte mich schuldig, weil die Neurodermitis nach diesem Jahr nicht überwunden ist und ich meiner Erwartung (!) nicht gerecht werden konnte.

 


In der „Mäuseburg" wurde dann schnell deutlich: Silas ist noch voller Trennungsängste. Er wollte auch nicht allein im Zimmer schlafen... logisch, das stand ja bisher im Wohnmobil nicht an, ebensowenig jetzt im gemeinsamen Kinderzimmer. Frau Dr. Johna und Herr Langer bestätigten mir zwar, daß durch die vielen Ortswechsel und damit verbundenen Trennungen die Autonomie von Silas unterstützt wurde, machten mir aber klar, daß wir Eltern hierbei die einzige Sicherheit darstellten, was eine weitere Fixierung zur Folge hatte. Da sah ich den Weg ganz klar: Jetzt an festem Platz in Portugal, in geschütztem Rahmen kann erst die Trennungsangst bearbeitet werden, also, packen wir's an... und geben wir uns die Zeit! Welch eine Erleichterung.. kein Fehler, Keine Schuld... ! Das Leben und dessen Umstände setzt uns weitere Prüfsteine, und wir dürfen daran wachsen -warum immer schon ans Ziel denken, wenn der Weg so lehrreich und intensiv ist?

An dieser Stelle möchte ich dem ganzen „K 5-Team" danken für die nette Aufnahme und das Verständnis, die Hilfe und klärenden Gespräche; nicht zuletzt auch Herrn Prof Stemmann, der mich bei seinen Vorträgen wieder zum Schmunzeln brachte und „AhaErlebnisse" bescherte.

Im letzten Jahr ist in mir auch der Wunsch entstanden, in Portugal einen Ort der Begegnung zu gründen, wo allergiebetroffene Menschen und Familien entspannte Ferien nach dem „Gelsenkirchener Prinzip" verbringen können. Ich traf mich aus diesem Grunde mit Frau Braun, die mich wieder so herzlich empfangen hat und ihre Unterstützung zusagte. Darüber freue ich mich sehr und möchte für die Offenheit, überhaupt den unermüdlichen Einsatz von AuK e. V., meine Dankbarkeit ausdrücken.
 

So verließen Silas und ich frohen Mutes - mit Diät -Erweiterung in der Tasche - die Klinik und machen uns keinen Streß mehr mit Erwartung und Erfolgsdruck, gehen gemeinsam weiter, der Sonne entgegen ... wohin uns am Dienstag das Flugzeug bringen wird. Auch (Bad) Gelsenkirchen ist uns zu einer Art Heimat geworden, denn

„HEIMAT IST DA, WO MAN VERSTANDEN WIRD"... nicht wahr?
 

In diesem Sinne, Ate - bis bald -  vielleicht sogar in Portugal, Ihre

Tanja Grandy

 


Im AuK Brief 4/2000 schrieb Tanja Grandy, daß sie im Frühjahr 2000 noch einmal für vier Tage in der Klinik war, um die Heilung ihres Sohnes Silas zu erreichen. Am 12.01.2001 ergänzte sie ihren Bericht wie folgt:

Silas geht es seit dem Sommer prima, selbst die Winterzeit mit viel Regen in Portugal kann die Heilung nicht aufhalten. Der dreijährige Lausbub entwickelt sich prima, das Ekzem ist fast komplett verschwunden. Seit der Diät-Erweiterung reagiert er manchmal bei extrem süßen oder scharfen Speisen über die Mundschleimhaut und bekommt einen roten „Bart". Noch nie zuvor konnte ich so gelassen und zuversichtlich in ein neues Jahr blicken und erlebe mich als Mutter wieder entspannt und ohne Sorge. Bin so dankbar, was wir seit der
Kurin Gelsenkirchen erreicht haben!

Mit den besten Wünschen verbleibe ich

Ihre Tanja Grandy



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