Das autogene Training

Im autogenen Training erlebt der Übende einen eigenartigen Zustand
- auf der einen Seite ist sein Geist hellwach und zahlreiche Gedanken erscheinen
- auf der anderen Seite ist sein Körper, sind insbesondere seine Arme und Beine schwer und entspannt wie im Schlaf.

Der Übende befindet sich im autogenen Zustand in einem Feld sich kreuzender Bewegungen
- auf der horizontalen Ebene schwirren ihm Gedanken zufälliger Zusammensetzung von rechts nach links und umgekehrt durch das Gehirn
- auf der vertikalen Ebene schwebt er zwischen Wachsein und Schlaf


Die meisten Menschen, die selbst den autogenen Zustand noch nicht erlebt haben, verbinden diesen ihrer Meinung nach vor allem mit innerer gedanklicher Ruhe. Doch das ist nicht der Fall.
Während der Mensch im täglichen Leben bewusst Gedanken erzeugt und sie miteinander verknüpft, erscheinen im autogenen Zustand, auf der unbewussten Ebene, spontan Gedanken, die untereinander in keinem Zusammenhang stehen. Der Betreffende befindet sich jetzt im autogenen Zustand und in dieser Reaktionslage entfaltet das autogene Training seine positiven Wirkungen. Erst wenn der Betreffende jahrelang übt, lassen im autogenen Training auch die spontanen Gedanken nach und er gelangt in einen Zustand völliger gedanklicher Ruhe.

In der Bergmannsheil und Kinderklinik Buer, Gelsenkirchen wird eine spezielle Form des autogenen Trainings gelehrt und praktiziert. Der Therapeut suggeriert Schwere der Glieder und Wärme. Der Kopf, das Herz und die Atmung werden, wie im klassischen autogenen Training üblich, nicht angesprochen. Die Funktion der genannten Organe normalisiert sich von selbst, wenn Schwere und Wärme eingetreten sind.


Die Gelsenkirchener Methode beruht auf zwei Prinzipien:
- der Übende muss sich eine Zeitlang anspannen indem er seinen Blick erhebt und seine Augen auf einen Punkt hinter seiner Stirn an der Wand oder an der Decke des Übungsraumes richtet. Senkt er seinen Blick und schließt er die Augen, so gleitet er reaktiv in einen entspannten Zustand
- der Therapeut trifft vor Beginn des Trainings drei Voraussagen
"es strengt dich an, mit deinen Augen so zu schauen"
"zeitweilig wirst du den fixierten Punkt unscharf sehen"
"deine Augen werden dir tränen und brennen"

Der Übende erlebt, dass die Aussagen des Therapeuten zutreffen und folgt dann der Aufforderung sich vorzustellen, dass seine Arme und Beine schwer werden und sie werden schwer.

Der Übende sollte darauf achten, dass er im autogenen Zustand
- nicht seinen jeweiligen Gedanken nachhängt. Es wäre gut, wenn ein Gedanke erscheint und er sich damit zu beschäftigen beginnt, den Gedankenvorgang aufzugeben. Eine innerliche Aufforderung: "Loslassen" lässt den Gedanken verschwinden
- nicht aufwacht oder, was wesentlich häufiger ist, nicht einschläft. Das Wachwerden stellt kein Problem dar, wenn der Übende seine Augen geschlossen hält, er wird von selbst in den autogenen Zustand zurückgleiten. Einschlafen ist unerwünscht im autogenen Training. Geschieht es regelmäßig, so ist die Einleitungsphase in Form der Anspannung zu verkürzen. Der Übende kann sich auch am Beginn des Trainings, d.h. in der Einleitungsphase, einen Auftrag geben der lautet: "kein Schlaf!"

Am Ende des Trainings gibt der Therapeut mit den Worten: "denn du wolltest es so", das ganze Geschehen in die Hände des Übenden. Der Übende begreift und versteht den Satz so, als ob er das autogene Training selbst durchgeführt hat und er bleibt dadurch unabhängig und frei von dem Einfluss des Behandlers. Mit Hilfe einer Bandkassette, CD oder durch Auswendiglernen des Textes und Vorsprechen in Gedanken ist der Übende sehr schnell in der Lage, das autogene Training täglich zu praktizieren.
Das autogene Training kann durch alle Menschen, die im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind, ausgeführt werden. Personen, die an einer psychischen Erkrankung leiden, sollten ihren Therapeuten fragen, ob das autogene Training auch für sie zu empfehlen ist.